Vladimir Nabokov

NABOKV-L post 0007318, Tue, 24 Dec 2002 10:17:30 -0800

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Fw: Goethe, Nabokov und, ach, die Schweiz -- Goethe, Nabokov and,
oh, Switzerland ..
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24. Dezember 2002, 02:08, Neue Z协rcher Zeitung

Goethe, Nabokov und, ach, die Schweiz
Thomas H协rlimann und Urs Widmer sammeln ihre Essays
Ohne das bekannte Bild eidgen袞ssischen Dioskurentums auffrischen zu wollen, l袛sst sich doch festhalten, dass Zeitgeist wie intellektuelle Disposition Urs Widmer und Thomas H协rlimann immer wieder aufs Neue in eine bemerkenswerte N袛he zueinander r协cken. Nicht zuletzt haben sich sowohl der 1938 in Basel geborene Widmer als auch der zw袞lf Jahre j协ngere Zuger H协rlimann mit zahlreichen Arbeiten zur Dramaturgie der Schweiz und 协ber deren Schriftsteller fest in die Tradition der Schweizer Literatur eingebunden. J协ngste Zeugnisse dieses Selbstverst袛ndnisses finden sich in zwei Sammelb袛nden: 鈺欻immels袞hi, hilf! 褝ber die Schweiz und andere Nester鈺 vereinigt mehrheitlich w袛hrend der vergangenen drei Jahre in verschiedenen Zeitungen publizierte Essays und Kurzgeschichten sowie Reden von Thomas H协rlimann und ist in der zweiten Auflage um das Pamphlet 鈺欴ie Schweiz hat die besten Verr协ckten!鈺, H协rlimanns in der 鈺歓eit鈺 abgedruckten Beitrag zur Z协rcher Theaterposse vom letzten Sp袛tsommer, komplettiert worden. In formaler Hinsicht nicht minder heterogen nimmt sich Urs Widmers 鈺欴as Geld, die Arbeit, die Angst, das Gl协ck鈺 aus, worin weitschweifige und geistreiche Abhandlungen neben rund zwei Dutzend im 鈺歁agazin鈺 des 鈺歍ages-Anzeigers鈺 ver袞ffentlichten Kolumnen stehen.

Helvetisches Malaise
Mit einem Schlenker zu Goethe (H协rlimann) beziehungsweise Tschechow, Joseph Conrad und Nabokov (Widmer) spannen die beiden Autoren in ihren Texten einen zeitlich und geographisch weit ge袞ffneten Bogen bis zum helvetischen Malaise unserer Tage. In seinem im Oktober 2001 in der 鈺欶rankfurter Allgemeinen Zeitung鈺 erschienenen Essay 鈺欻immels袞hi, hilf!鈺 deutet Thomas H协rlimann den Konkurs der Swissair als Symptom f协r das 鈺欵nde einer 写ra鈺. Seine Ansichten sind wohl nicht neu, allerdings selten zuvor derart pr袛gnant formuliert worden. Etwa h袛tten die Schweizer nach dem Fall des Eisernen Vorhanges j袛h 鈺歟in Problem mit der Zeit, genauer: mit zwei Zeiten. Denn im Schweizerhaus galt nach wie vor das Postkutschentempo, da ging der B协rger im sonnt袛glichen Spazierschritt. Die andere Welt jedoch, die grosse, worin wir mit unseren Geldern und Marken ja ebenfalls zu Hause waren, drehte sich immer schneller (. . .).鈺 Die St袛rken des Stilisten H协rlimann liegen freilich weniger im Politischen als in literarischen Sph袛ren - mit 鈺欰hmed, der Levantiner鈺, einer im Doppelsinn des Wortes phantastischen Laudatio auf seinen Verleger Egon Ammann, dem Reisebericht 鈺歋purensuche in Galizien鈺 sowie der augenzwinkernden Reverenz an Goethe, der Kurzgeschichte 鈺欰ugenmensch und H袞rnlimann鈺, setzt Thomas H协rlimann dem B协chlein einige Glanzlichter auf.

Auch Urs Widmer kommt im Titeltext seiner neusten Bl协tenlese - der schriftlichen Version eines im Dezember 2000 im Z协rcher Schauspielhaus gehaltenen Referats - mitunter auf die Doppelexistenz jener Demokratie-Verfechter zu sprechen, die mit beiden Beinen im Wirtschaftsleben stehen. 鈺歐ie halten wir das eigentlich aus, ohne irre zu werden, tags协ber Weisungen zu empfangen und Weisungen weiterzugeben, genau nach Funktionsdefinition, und am Abend ein reifer B协rger zu sein, gleichm袛ssig am Wohle aller interessiert?鈺 Die 写ngste, 鈺歞ie das Jahr 1989 so 协berraschend in die Welt gesetzt hat鈺, sind seiner Ansicht nach aber nicht allein auf die Schweiz begrenzt. Ebenso wenig gr协nden sie in einem aus dem Takt geratenen Zeitmass, sondern im Fehlen eines korrigierenden Gegen协bers: Wenn 鈺歟ine Gesellschaft von einem einzigen Denkmodell beherrscht wird, ist sie kaum mehr f袛hig, sich selber zu beobachten und zu kritisieren鈺.

Vermeintlicher Patriotismus
Anders als Thomas H协rlimann im Essay 鈺欻immels袞hi, hilf!鈺 neigt Urs Widmer aber nicht zur Verkl袛rung der Schweiz zu Gottfried Kellers Zeiten. Im Aufsatz 鈺氀峛er Gottfried Kellers 鈻F袛hnlein der sieben Aufrechten鈱♀暕 weist Widmer eben diese vermeintliche 鈺歱atriotische Hurra-Geschichte鈺 als eine Novelle aus, die erst dann 鈺歮袞glich und notwendig鈺 geworden war, 鈺歛ls die wirkliche Schweiz sich von den Idealen von 1848 entfernt hatte鈺. 褝berhaupt sind es die klugen literaturwissenschaftlichen Ausf协hrungen, die das Buch so lesenswert machen. Da st袞rt es kaum, dass die Abhandlungen in Teilen oder als Ganzes bereits seit l袛ngerem in Buchform vorgelegen haben.

Wem Widmers 1991 unter dem Titel 鈺欴ie sechste Puppe im Bauch der f协nften Puppe im Bauch der vierten und andere 褝berlegungen zur Literatur鈺 publizierte Grazer Poetikvorlesungen noch gegenw袛rtig sind, wird jedoch zumindest an jener Stelle stutzen, da Widmer seinen Schl协ssel zum Verst袛ndnis von Nabokovs 鈺歀olita鈺 hervorzaubert: Hatte Widmer diese Interpretationsans袛tze n袛mlich einst als die eigenen ausgegeben, erfahren wir jetzt, dass sie offenbar von Widmers Gattin ersonnen wurden. In diesem Sinne darf man sich auf die von Widmer im Keller-Aufsatz angek协ndigte Studie 鈺欴ie schrecklichen M协tter der Dichter鈺 freuen - so diese denn um ein Kapitel 协ber 鈺欴ie gescheiten Ehefrauen der Exegeten鈺 erg袛nzt sein wird.

Gieri Cavelty

Thomas H协rlimann: Himmels袞hi, hilf! 褝ber die Schweiz und andere Nester. Ammann-Verlag, Z协rich 2002. 117 S., Fr. 21.50.

Urs Widmer: Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Gl协ck. Diogenes-Verlag, Z协rich 2002. 270 S., Fr. 34.90.






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24th of December, 2002, 02:08, new Z协rcher newspaper

Goethe, Nabokov and, oh, Switzerland
Thomas H协rlimann and Urs Widmer collect their(her) essays
Without wanting to refresh the known picture confederate Dioskurentums, nevertheless, can be held that spirit of the times move like intellectual arrangement Urs Widmer and Thomas H协rlimann again afresh in a striking nearness to each other. Younger Zuger H协rlimann with numerous works to the dramaturgy of Switzerland and about their(her) writer have not least integrated themselves the Widmer born in 1938 in Basel as well as twelve years firmly into the tradition of the Swiss literature. The youngest certificates of this self-conception are found in two anthology: 鈺 Himmels袞hi, help! About Switzerland and other nests 鈺 combines by the majority during last three years in different newspapers published essays and short stories as well as speeches of Thomas H协rlimann and is in the second edition around the pamphlet 鈺 Switzerland has the best mad! 鈺, H协rlimanns in the "time" printed contribution(article) to the Z协rcher theater farce of the last late summer, been completed. In formal respect less diverse does not look Urs Widmers 鈺 the money, the work, the fear, the luck 鈺 in what pleonastic and witty treatises stand near about two dozens in the "magazine" of the "day indicator" to published columns.

Helvetian time sharps
With a swerve to Goethe (H协rlimann) or Tschechow, Joseph Conrad and Nabokov (Widmer) both authors stretch a curve far opened geographically and temporally up to the Helvetian time sharp of our days in their(her) texts. In his(its) in October, 2001 in the " Frankfurt general newspaper 鈺 appeared essay 鈺 Himmels袞hi, help! 鈺 Thomas H协rlimann interprets the bankruptcy the Swissair as a symptom for the " end of an era 鈺. His(its) views are not probably new, have been formulated but rarely previously such concisely. Possibly the Swiss would have a problem with the time, more exactly after the case of the iron curtain suddenly 鈺: with two times. Since in the Swiss house the Continental stagecoach tempo was still considered(applied), there the citizen went in sonnt袛glichen Spazierschritt. The other world, however, the big in what we were with our money and brands(stamps) also at home turned much faster (...). 鈺 The strong of the stylist H协rlimann lie, of course, less in the political than in literary spheres - with " Ahmed, the Levantine 鈺, one in the double meaning of the word fantastic eulogy on his(its) publisher Egon Ammann, to the journey report 鈺 trace search in Galicia 鈺 as well as the eye-winking reverence to Goethe, the short story 鈺 visual person and H袞rnlimann 鈺, sets up Thomas H协rlimann to the notebook some highlights.

Also Urs Widmer comes in the title text of his(its) neusten anthology - to speak of the written version one in December, 2000 in the Z协rcher theatre of held lecture - now and then on the double existence of these democracy advocates who stand with both legs in the economic life. 鈺 How we endure this actually, without wanders to become, to receive during the day instructions and to transmit instructions, to be just(exactly) after functional definition, and in the evening a ripe citizen, evenly in the well-being all interests? 鈺 Has brought into the world the fears, 鈺 the 1989 so surprisingly 鈺, are limited to his(its) view after, however, not only to Switzerland. As well a little they base in a time degree got(advised) from the tact, but in the absence of a correcting Gegen协bers: If 鈺 a society(company) is controlled by a single model for further discussion, she is hardly more able to observe herself and to criticize 鈺.

Supposed patriotism
In a different way than Thomas H协rlimann in the essay 鈺 Himmels袞hi, help! 鈺 However, Urs Widmer does not incline to the transfiguration of Switzerland at Gottfried's Keller times. In the article 鈺 about Gottfried Kellers 鈻 little flag of seven upright 鈱 鈺 expels Widmer just this supposed 鈺 patriotic Hurra history 鈺 as a short story which had become only then 鈺 possibly and inevitably 鈺, 鈺 as real Switzerland had gone away from the ideals of 1848 鈺. Actually these are the wise literature-scientific executions which make the book so worth reading. There it hardly interferes that the treatises have been present in parts or as a whole already for a long time in book form.

To whom Widmers are still current in 1991 under the title 鈺 the sixth doll in the belly of the fifth doll in the belly of the fourth and other considerations to the literature 鈺 published Grazer poetics lectures, however, will trim at least at this place, because Widmer his(its) key to the understanding of Nabokovs "Lolita鈺 hervorzaubert: if Widmer had spent these interpretation attempts namely once as own, now we experience(find out) that they were invented evidently by Widmers wife. In this sense one may be glad on from Widmer in the cellar article announced study 鈺 the terrible mothers of the writers 鈺 - so this will be supplemented then around a chapter about the " clever wives of the exegetes 鈺.

Gieri Cavelty

Thomas H协rlimann: Himmels袞hi, help! About Switzerland and other nests. Amman-publishing house, Zurich in 2002. 117 S., Fr. 21.50.

Urs Widmer: the money, the work, the fear, the luck. Diogenes publishing house, Zurich in 2002. 270 S., Fr. 34.90.






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